Prof. Dr.-Ing. Martin Neumann

Praktikumsbericht Julian Lasinger

Praktikum beim Energiepolitischen Sprecher der Freien Demokraten im Bundestag, Prof. Dr. Martin Neumann

Nach erster Arbeitserfahrung in der Bundesverwaltung studiere ich derzeit in Paris internationale Energiepolitik. Anschließend möchte ich in der Interessenvertretung in Brüssel oder Berlin arbeiten. Bisher fehlten mir allerdings Einblicke in die Arbeit der Legislative. Deshalb war ich sehr froh, als meine Bewerbung um ein Praktikum im Januar 2019 beim Energiepolitischen Sprecher der FDP-Fraktion, Prof. Dr.-Ing. Martin Neumann, auf Anklang stieß.

Meine erste Woche im Büro war eine Sitzungsfreie, in der der Bundestag also nicht zusammentrat. Diese Ruhe zum Jahresanfang ließ Zeit für ein geregeltes Ankommen, für eine ausführliche Einführung in die Institution Bundestag, für erste inhaltliche Recherchen und kleine Beiträge, vor allem aber auch um die Kollegen kennenzulernen. Gleich zum Ende der ersten Woche kam dann mein persönliches Praktikums-Highlight. Zusammen mit MdB Thorsten Herbst, dem Verkehrspolitiker der Fraktion sowie mit dem Landesvorsitzenden aus Brandenburg, Axel Graf Bülow, besuchten wir im Wahlkreis in der Lausitz einen gigantischen Braunkohle-Tagebau der LEAG und das angeschlossene, hochmoderne Kraftwerk. Diese Gelegenheit energiepolitischer Interessenvertretung hautnah und vor Ort mitzuerleben war trotz winterlicher Einöde des Tagebaus eine sehr spannende Erfahrung.

Montagmorgen, zurück aus dem Wochenende, spürte ich in meiner ersten Sitzungswoche sofort einen anderen Takt. Die Woche beginnt mit der Teambesprechung im Büro, in der Parlamentsthemen, der Stand eigener Initiativen und die dichte Terminplanung des Abgeordneten durchgegangen und abgestimmt wurden. Da sich die Plenardebatte im Parlament aber regelmäßig verzögert und verändert, wird die ganze Woche in Echtzeit nachjustiert, abends war der Tag meist etwas anders verlaufen, als man es am Morgen geplant hatte. Nachmittags kommen die von energiepolitischen Themen betroffenen Abgeordneten der Fraktion zur gemeinsamen Koordinierung zusammen. Anschließend galt es die Kollegen bei der inhaltlichen Vorbereitung der für die Woche vorgesehenen Tagesordnungspunkte und externen Veranstaltungen zu unterstützen, Bürger- und Mitgliederanfragen zu bearbeiten sowie bei anfallenden Bürotätigkeiten mitzuwirken.

Der Dienstag ist der Abstimmung in der Fraktion gewidmet. Zuerst in der zuständigen Arbeitsgruppe, dann im breiteren Arbeitskreis. Dort wird die Tagesordnung des Ausschuss Wirtschaft und Energie verteilt, sich auf Schwerpunkte, Linien und Redezeiten verständigt. Die zweite Tageshälfte stehen dann noch die Sitzungen der Landesgruppe Ost und der FDP-Bundestagsfraktion auf der Agenda.

Am Mittwochvormittag tagt der Ausschuss, in dem es gilt die eigenen Perspektiven gegen die der anderen Fraktionen in die Debatte zu bringen und eigene parlamentarische Initiativen ans Ziel zu bringen, um den politischen Prozess im Sinne der eigenen Wähler, Wahlkreise und Interessen mitzugestalten.

Donnerstags durfte ich von der Tribüne aus das Geschehen im Plenum beobachten, bevor das Büro sich in der anschließenden sitzungsfreien Woche wieder intensiv der Einbringung von Anträgen und Kleinen Anfragen widmete, um seiner Rolle als Opposition und damit als Korrektiv von Regierungshandeln gerecht zu werden.

Während meiner kurzen Zeit im Büro war eine Vielzahl an Themen auf der Tagesordnung. Besonders interessant war die Veröffentlichung des Berichtes der „Kohlekommission“ vor meiner letzten Sitzungswoche. Der Bericht und die damit verbundenen immensen Finanzforderungen der betroffenen Bundesländer fanden ein breites Echo in der öffentlichen Debatte. Die Fraktion nutzte das Thema zu einer Aktuellen Stunde im Plenum, in der ich die hitzigste und engagierteste Debatte meiner kurzen Zeit im Bundestag erleben durfte.

Durch meinen internationalen Blick als im Ausland Studierender, der sich gerne mit geopolitischen Zusammenhängen beschäftigt, hoffe ich ergänzende Akzente einbringen gekonnt zu haben, insbesondere im Kontext Erdgas-Versorgungssicherheit, einem spannenden, hochpolitischen Thema, das in den letzten Jahren einiges an Uneinigkeit in die europäische Energieunion gebracht hat.

Da Prof. Neumann nicht nur Hochschulprofessor ist, sondern dies auch noch zu Themen, die eng mit seinem inhaltlichen Zuschnitt in der Fraktion verknüpft sind, wurde ich während meines Praktikums nicht nur bestens betreut, sondern es wurde auch inhaltlich auf sehr hohem Niveau und in zügigem Tempo gearbeitet. Da die Kollegen mich eng eingebunden haben und viele spannende energiepolitische Einzelthemen in hoher Taktzahl abzuarbeiten waren, hatte ich eine wirklich gute und lehrreiche Praktikumszeit. Jetzt sitze ich am Flughafen Tegel und schaue auf mein Flugzeug nach Paris, das bereits unten am Flugsteig bereitsteht. Die Uni ruft. Aber ehrlich gesagt wäre ich lieber geblieben.

Sitzungssaal