Prof. Dr.-Ing. Martin Neumann

Praktikumsbericht Nayeb Behbahani (04.02.2019 - 03.03.2019)

Wer glaubt, dass Politiker, wenn Sie gerade nicht im Plenum sitzen, sich ein schönes Leben machen und nebenbei Geld kassieren, liegt ganz daneben. Vor allem in Sitzungswochen geht der Arbeitstag ab 7 Uhr los und endet nach 22 Uhr. Dazu kommt, dass meist das Wochenende ebenfalls mit Terminen im Wahlkreis und des Landesverbandes gefüllt ist. Wo bleibt da Zeit für ein Privatleben? Zumindest habe ich mir ständig diese Frage gestellt, während meines vierwöchigen Praktikums im Bundestagsbüro bei Prof. Dr. Martin Neumann.

Büros, Büros, Büros. Das ist der Hauptbestandteil der Gebäudekomplexe im Bundestag, denn hinter jedem Abgeordneten stehen meist vier bis sechs Mitarbeiter, die bei der terminlichen Organisation, wissenschaftlichen Zuarbeiten, Pressemitteilungen, parlamentarischen Initiativen und Social-Media unterstützen. Während des Praktikums wurde mir klar, dass ohne diese Kollegen ein parlamentarischer Betrieb unmöglich wäre. Wer liest die ganzen Ausschussberichte? Wer durchleuchtet die Gesetzesentwürfe der Bundesregierung? Wer betreibt die Recherchearbeit für die politischen Positionen? Wer betreut das Wahlkreisbüro? Die Mitarbeiter! Das heißt nicht, dass die Abgeordneten dann nichts mehr zu tun hätten. Gerade die Abgeordneten tragen die gesamte Verantwortung, indem Sie die Ergebnisse, die gemeinsam im Büro erarbeitet wurden, nach außen tragen und  in der parteiinternen Arbeitsgruppe, in der Fraktionssitzung, im Wahlkreis, im Ausschuss, im Plenum und im öffentlichen Diskurs vertreten.

Als ich dachte, dass meine Bürotätigkeit vor allem einfacher Natur sein würde, lag ich auf jeden Fall falsch. So durfte ich schon in meiner ersten Woche dem wissenschaftlichen Mitarbeiter bei der inhaltlichen Vorbereitung der Ausschusssitzung unterstützen. Dazu gehörte vor allem lange Berichte, die an die Tagesordnungspunkte geknüpft waren, zu lesen und inhaltlich zusammenzufassen, da Prof. Dr. Neumann zu sämtlichen dieser Punkte im Ausschuss Bericht erstatten durfte. Auch beschäftigten uns aktuelle energiepolitische Themen zu denen ich Recherche betreiben durfte. So standen vor allem in diesem Monat alles rund um den Bericht der WSB-Kommission, Nord Stream 2, LNG-Terminals in Europa, dem Netzausbaubeschleunigungsgesetz und dem Klimaschutzgesetz im Mittelpunkt. Interessant war insbesondere zu beobachten, wie die Recherchearbeiten zur Positionsfindung dienten und dann in der anschließenden AG und im Ausschuss zum Argument der Position wurde.

Eines der zentralsten Themen in der Sitzungswoche war der Antrag unseres Büros „Kohleausstieg mit Verantwortung und Weitsicht“ mit einer erfolgreichen Rede von Prof. Neumann im Plenum. Es war nicht nur interessant diese Rede auf der Zuschauertribüne zu verfolgen, sondern mitzubekommen, wie ein solcher Antrag erst ins Plenum kommt. Der Antrag wurde von allen Fraktionsebenen durchleuchtet und parteiintern erörtert, sodass die Fraktion sich auf einen Konsens einigen konnte. Wer aber am Ende die Redezeit bekommt, ist nicht immer die einfachste Entscheidung, denn jeder möchte gerne im Plenum reden.

Neben meiner Recherche und Zuarbeit für den wissenschaftlichen Mitarbeiter, konnte ich vor allem in Sitzungswochen den Abgeordneten in die Arbeitsgruppe, den Arbeitskreis, die Ausschusssitzung, auf Informationsveranstaltungen und auf Podiumsdiskussionen begleiten. Ein straffer Zeitplan, indem man als Abgeordneter zügig schalten muss, um abzuliefern. Wenn man als Abgeordneter schlecht geplant oder unaufmerksam ist, verliert man hier schnell Möglichkeiten sich im richtigen Moment einzubringen und Positionen zu proklamieren. Gerade für diese Fähigkeit bewundere ich Prof. Dr. Neumann und einige seiner Kollegen sehr.

Als Musiker ist einem die politische Arbeitsweise in vielen Teilen sehr fremd und von daher war der parlamentarische Betrieb für mich gewöhnungsbedürftig. Aber tatsächlich habe ich es genossen, mich derartig politisch zu engagieren und Teil des realpolitischen Prozesses zu sein. Und wie real dieser war, habe ich insbesondere gemerkt, als Wolfgang Kubicki neben mir im Aufzug stand oder Hermann Otto Solms in der AG-Sitzung in entscheidenden Punkten das Wort ergriff.

Vielen Dank an Prof. Dr. Neumann und sein ganzes Team für die wirklich eindrucksvolle Möglichkeit das Ganze miterleben zu dürfen.

Nayeb